23 Aug. 39 – Nach der Dürre: Die Erdbeeren leben!
22. August 2026
Nach der Dürre: Die Erdbeeren leben!
Mein armer Garten hat echt was mitmachen müssen in diesem Sommer. Erst war er während eines Urlaubs knapp drei Wochen sich selbst überlassen, während hier Temperaturen über 40 Grad und Knallsonne herrschten. Danach war ich gerade mal zwei Wochen hier, in denen es entweder heiß und sonnig war oder heftig gewitterte und regnete. An Gartenarbeit war nicht zu denken, zumal die nächste Hitzewelle schon angekündigt war. Es wäre unsinnig gewesen, das Vertrocknete um der Optik willen zu schneiden, den Boden damit noch verletzlicher zu machen und den Tieren Schatten und Möglichkeiten zum Verkriechen zu nehmen.
Dann wurde ich bei meiner Familie gebraucht und war fast drei Wochen weg. Wieder herrschten hier fast durchgängig Temperaturen über 35 Grad mit viel Sonne. Marcus versorgte die Vögel mit Sonnenblumenkernen, füllte die Wasserschalen und goss nach meinen Anweisungen die wenigen Pflanzen, die sich damit noch fit halfen ließen. Ansonsten blieb der Garten sich selbst überlassen.
In der Woche nach meiner Rückkehr gab es dann endlich mal nennenswerte Regenmengen und die Temperaturen sind jetzt auf normalem Sommer-Niveau. Kaum war also heute der Frühstückskaffee getrunken, da zog es mich in den Garten. Endlich! Es gäbe 1000 Dinge zu tun, aber zu allererst brauchen die Erdbeeren meine Buddelpower.
Schon die erste Hitzewelle hatte die Blätter geradezu gegrillt, ich war innerlich darauf vorbereitet, vor allem das große Beet komplett neu bepflanzen zu müssen. Statt dessen finde ich die meisten Pflanzen, die mir so viele köstliche Früchte geschenkt haben (hier und hier nachzulesen), lebendig und in gar nicht so üblen Zustand vor. Auch der Boden unter dem Strohmulch ist überwiegend in erstaunlich guter Verfassung. Er lässt sich gut auflockern, wird mit ein bisschen hacken schön feinkrümelig und duftet herrlich nach feuchter Erde. Mulch ist echt der Bringer!
Aktuell sieht das Beet natürlich besonders übel aus, aber auch in normalen Jahren werden im August die Erdbeerpflanzen geputzt und gedüngt. Das Entfernen der Blätter ist wohl für die Blütenbildung im nächsten Jahr wichtig, man solle dabei „nicht zimperlich” sein, hatte ein Erdbeerbauer mal in einem Zeitungsinterview gesagt. Nur das „Herz” dürfe nicht verletzt werden. Damals hatte es mich aufgeregt, dass nicht erklärt wurde, was das denn sein soll, dieses Herz. Ich fand heraus: Es ist die zarte Blattanlage in der Mitte der Pflanze – siehe Bild rechts.
Diesmal bin ich aber nicht ganz so radikal und lasse alle vital aussehenden Blätter lieber erst mal dran. Wer weiß: Vielleicht gelten mit dem Klimawandel die alten Regeln ja nicht mehr. Was auch noch anders ist als sonst: Es gibt kaum Ausläufer. Das zeigt, wie sehr die Erdbeerpflanzen ihre Kraft für sich selbst brauchten, es gab keinen Überschuss, um links und rechts irgendwelche Lücken mit Klonen zu besiedeln.
Natürlich muss auch gedüngt werden. Aus irgendeinem Grund hatte ich mir eine Notiz gemacht, Kalium-betont zu düngen. Warum weiß ich nicht mehr, es war einfach zu viel los in diesem Sommer. Egal, wird schon passen. Von natürlichen Kaliumdüngern habe ich Holzasche und Kaffeesatz im Fundus, dazu kommt ein Schüppchen Wurmhumus. Das alles verrühre ich mit Wasser zu einer schwarzen Pampe und tadaa! Fertig ist mein Dünger, den ich verdünnt mit der Gieskanne auf dem Boden ausbringe. Das ist Improgärtnerei pur, denn ob der wirklich taugt, weiß ich nicht. Wenn der Boden im Herbst tiefer durchfeuchtet und überall locker ist, werde ich noch mal Dünger ausbringen und dann mit der Hacke einarbeiten.
Dort, wo es tiefere Risse im Boden gibt, ist die Erde hart und lässt sich nicht gut bearbeiten. Deshalb stopfe ich ungewaschene Schafwolle hinein – die funktioniert nämlich auch hervorragend als organischer Dünger – und hoffe, dass sich die Sache auf diese Weise von allein regelt. Zudem gebe ich feinkrümelige Erde hinzug, die ich von einem „Projekthaufen“ abgegraben habe. Diese entstehen und vergehen in meinem Garten wie Maulwurfshügel: Wann immer ich für ein Projekt die Grasnarbe abnehmen oder sogar noch tiefer graben muss, wird das anfallende Material irgendwo gehäufelt, mit Folie abgedeckt und kompostiert dann darunter vor sich hin. Irgendwann kommt dann ein Tag wie heute, an dem ich frische Erde brauche, und der Hügel wird wieder abgetragen.
So arbeite ich mich Reihe für Reihe durch. Erdbeeren sind es einfach wert.


