09 Juni 17 – Rettung naht!
9. Juni 2025
Rettung naht!
„Meiner Ansicht nach kann man nur in einem Naturgarten wirklich Glück empfinden“, sagte der Lehrer Rainer Häffner, als ich den von ihm initiierten Schulgarten der Pater-Alois-Grimm-Schule in Külsheim für mein Buch besuchte. „Wer Rosen züchtet, freut sich sicher auch, wenn eine Blüte aufgeht, aber dann sieht er womöglich Blattläuse und ist gleich wieder im Kampfmodus.“ Das Gefühl kenne ich auch. Als ich zum ersten Mal einen massiven Befall entdeckte und meinen sich gerade schön zum Hausbaum entwickelnden Holunder in Gefahr wähnte, wollte ich sie wegspritzen – zwar nicht mit einer chemischen Brühe, aber doch mit verdünnter Brennnesseljauche.
Inzwischen weiß ich: Als Naturgärtnerin kann ich ganz entspannt bleiben und der Weisheit des großen Dichters Friedrich Hölderlin vertrauen. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.” In diesem Fall sind das Marienkäfer! Immer wieder und an verschiedensten Pflanzen konnte ich beobachten (gerade jetzt auch), dass schon bald ihre Larven auftauchen und sich über die Blattläuse hermachen. Richtig martialisch sehen sie aus, kein Vergleich zu den lieblich gepunkteten erwachsenen Tieren. Über mehrere Stadien werden sie diesen immer ähnlicher, das lässt sich aktuell gut beobachten. Schließlich verpuppen sie sich und – tatdaa! – es erscheinen Marienkäfer in der den meisten Menschen bekannten Form.
Also, Leute, lasst die Blattläuse in Ruhe! Sie sind das Plankton des Gartens, sprich: Nahrungsgrundlage für viele Tiere, die man vielleicht spontan sympathischer findet. Wer schädigende Stoffe verspritzt, killt außerdem auch die Retter der Pflanzen – und Blattläuse haben viel schneller eine neue Population am Start als Marienkäfer. Jede Spritzung verschlimmert also das Problem. Wer sich stattdessen entspannt und den Dingen seinen Lauf lässt, wird merken: Der befürchtete Schaden an den Pflanzen bleibt aus. Wer empfindliche Gewächse unterstützen will, kann eher vorbeugend hilfreiche Bakterien aufsprühen oder wie Dünger in den Boden einbringen. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

