15 – Die lieben Nachbarn
Webseite von Autorin und Journalistin Kirsten Segler. Biografie, Bücher, Artikelauswahl, Kontakt. Aktuelles Projekt zu aktivem Artenschutz.
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15 – Die lieben Nachbarn

4. Mai 2025

Mit ordnungsliebenden Nachbarn reden

Immer wieder erzählen mir Menschen: „Ich würde meinen Garten ja gerne tierfreundlicher gestalten, aber meine Nachbarn meckern, wenn ich ihrer Meinung nach zu selten mähe.” Irgendwie wurmt mich das. Wie kann es sein, dass Leute anderen ihre Gestaltungsvorstellungen aufzwingen dürfen? Und das, obwohl diese für unzählige Wesen unserer Mitwelt lebensgefährlich sind?

Doch inzwischen gibt es Argumentationshilfen von unverdächtiger Seite: dem Bundesverband der Kleingartenvereine! Diese sind ja eigentlichn bekannt für ihre oft strengen Regeln, was man auf seiner Parzelle tun und lassen darf – und „Vernachlässigung” ist der wohl schlimmste Vorwurf. Weil ein naturnaher Garten für unkundige Augen durchaus so aussehen kann, hat der Bundesverband eine Liste zusammengestellt, anhand derer die Vereine das eine vom anderen unterscheiden können. Das Papier ist unter kleingaerten-biologische-vielfalt.de abrufbar („Handreichung” ins Suchfeld eingeben) oder gleich hier klicken.

Unordnung oder Strukturelement? Okay, mein Stück Benjeshecke könnte durchaus weniger struppig aussehen, erfüllt aber seinen Zweck: Zusammen mit einer ähnlichen Konstruktion hinter der Sträucherreihe entlang des Zaunes kann ich abladen, was an Schnittgut anfällt. Das entlastet mich davon, irgendwas schreddern oder auf den Grüngutplatz abfahren zu müssen und schafft zugleich Lebensraum und Verstecke für verschiedenste Kleintiere. Win-win!

Es macht mich sehr dankbar, dass meine Nachbarn zwar auch ordentlich sind, aber meine Art zu gärtnern tolerieren. Dafür achte ich darauf, die vielen Löwenzahn-Blüten in meinem Garten möglichst nicht (alle) zu Pusteblumen werden zu lassen. Er darf bei mir blühen – ich liebe sein sonniges Gelb und dass er mehr als 70 Insektenarten Futter bietet – und wenn sich die Köpfe danach wieder geschlossen haben, kann man sie einfach abrupfen. Das macht durchaus Arbeit, aber das suchende Schlendern durch den Garten ist auch wunderbar entspannend. Perfekt ist das System nicht – ein paar Exemplare schaffen es immer, doch noch ihre Früchte per Schirmchen auf die Flugreise zu schicken. Und genau so soll es sein.